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Radeln für den Tumult im Darm

veröffentlicht am 18.10.2018

Ausdauertraining verändert die Zusammensetzung der Mikrobiota im Darm auf positive Weise, so die These finnischer Forscher. Im Rahmen einer Studie beobachteten sie Veränderungen bei übergewichtigen Frauen, die sechs Wochen lang auf dem Fahrradergometer trainierten.

Es handelte sich um ein ein Sportprogramm für 19 übergewichtige Frauen, die den Großteil des Tages über sitzend verbringen. Der BMI aller Teilnehmerinnen betrug >27.5 kg/m2.

Für einen Zeitraum von sechs Wochen absolvierten die Frauen drei Trainingseinheiten pro Woche an einem Fahrradergometer. Die Trainingsintensität wurde anhand der Herzfrequenz kontrolliert. Andere Lebensstil-Faktoren wie die Ernährung wurden nicht verändert, um einzig Effekte der Sport-Intervention zu beobachten.

So sah das Sportprogramm im Detail aus:
Woche 1 bis Woche 2: 40 Minuten stetiges Radfahren mit niedriger Intensität (unter der aeroben Schwelle)
Woche 3 bis Woche 4: 50 Minuten Training, davon bestand jede zweite Einheit aus drei 10-Minuten-Intervallen mit moderater Intensität (zwischen der aeroben und anaeroben Schwelle), die restliche Zeit wurde in niedriger Intensität absolviert. Die andere Trainingseinheit bestand dann nur aus Radeln in durchgehend niedriger Intensität
Woche 5 bis Woche 6: 60 Minuten, die Einheit inkludierte vier 10-Minuten-Intervalle von moderater Intensität, der Rest des Trainings wurde in niedriger Intensität vollzogen.

Die Trainingsintensität wurde an das individuelle Anstrengungsempfinden (dabei wird der aus der Sportmedizin bekannte RPE-Wert anhand der Borg-Skala ermittelt)

Die Ergebnisse
Zwar konnte das Forscherteam der University of Jyväskylä nach dieser kurzen Zeit keinen signifikanten Gewichtsverlust bei den Studienteilnehmern feststellen, dafür brachte das Sportprogramm andere Vorteile. Nach sechs Wochen Training verringerte sich die Zahl potenziell entzündlicher Mikroben (Proteobakterien), während die Zahl von Mikroben, die den Stoffwechsel fördern (Akkermansia), stieg.

„Wir fanden heraus, dass sich Phospholipide und Cholesterin in VLDL-Partikeln durch die Bewegung verringerten. Diese Veränderungen wirken sich positiv auf die kardiometabolische Gesundheit aus, weil VLDL Lipide von der Leber zu den peripheren Geweben transportiert.

Des Weiteren konnte durch das Training die Aktivität des Zelladhäsionsmolekül VAP-1 (Vascular adhesion protein 1), auch bekannt als VCAM-1 (vascular cell adhesion molecule 1) gesteigert werden. Dieses Protein der Super-Immunoglobulinfamilie kann begünstigende antientzündliche Effekte speziell auf das Gefäßsystem haben.

Die Zusammensetzung und Funktion der Darmmikrobiota wurde anhand von Sequenzierungen der 16S rRNA und des Metagenoms analysiert. Die Körperzusammensetzung wurde anhand einer Dual Energy X-ray Absorptiometry (DEXA) gemessen. Die Energiezufuhr wurde anhand von Ernährungstagebüchern erfasst.

Alle Augen auf Akkermansia
Die Gattung der Akkermansia ist immer öfter Untersuchungsgegenstand unterschiedlicher Studien: Die Autoren erwähnen in ihrer Arbeit vergangene Studien, die bereits nahelegten, dass diese Gattung des Bakterienstamms Verrucomicrobia in der Darmmikrobiota von sportlich aktiven Menschen stärker angesiedelt ist als in der Darmflora weniger sportlicher Menschen. Manche Forscher haben die Theorie, dass Akkermansia eine Schlüsselrolle beim Schutz vor Übergewicht und Diabetes spielt.

Angesichts bereits gewonnener Erkenntnisse über die positive Wirkung von Sport auf die Gesundheit des Darmmikrobioms sind die vorliegenden Untersuchungsergebnisse stimmig und interessant. Die Autoren betonen jedoch, dass es weitere und umfassendere Studien braucht, um den Zusammenhang zwischen Mikrobiom und körperlicher Aktivität genauer zu verstehen sowie die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Akkermansia zu belegen.
Artikel von Mijou Zimmermann für DocCheck

Radeln für den Tumult im Darm